Band 2: frauenKörper


 

   




 

 

 

 

 

 

frauenKörper über Medizin, Bilder und Geschlechterrollen
 

Band 2 der historischen Forschungsreihe "Fraubünden" ist 2005 erschienen. 


Die Beiträge im Überblick:

Silvia Hofmann: Die Springerin. Zum Titelbild von "frauenKörper"

Loretta Seglias: Zur Geschichte der Hebammen und der Geburtshilfe in Graubünden im 19. und 20. Jahrhundert

Ivo Berther: Die "schwarze Lawine" und der Bauch der Frau – Frauenrollen in der katholischen Surselva 1870-1970 und ihr ideologischer Hintergrund

Dr. phil. Gerda Leipold: Die inszenierte Frau in den Bergen. Das Bild der Frau in Fotografie und Tourismusplakat in Graubünden in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts

Silvia Hofmann: Heilbäder - Ort zur Wiederherstellung der Geschlechterordnung

Dr. phil. Marietta Meier: Eingriffe ins Gehirn "schwieriger" Patientinnen und Patienten. Psychochirurgie im Kanton Graubünden


Die Kurztexte zu den einzelnen Artikeln:

Ausgangspunkt der Geschichten aus dem Alltag von Bündner Frauen und Männern in Band 2 von "Fraubünden" ist der Körper. Wie ein roter Faden zieht sich die Frage nach der Macht über den Körper durch die einzelnen Beiträge.

Der Inhalt

Die Springerin. Zum Titelbild von "frauenKörper" (Silvia Hofmann)

Millionen von Menschen auf der ganzen Welt kennen das Bild jener jungen Frau, die kraftvoll und dynamisch, in vollkommener Beherrschung ihres Körpers, in den Himmel springt. Als Plakat warb es für den Fremdenkurort Flims und für die Swissair, als Ikone schmückt es Pralinés. Das Bild der Springerin ist ein Klassiker der Schweizer Tourismuswerbung. Und es hat eine Geschichte.

Die Protagonistin heisst Dora Meier-Hartmann, geboren 1911. Die Artzttochter aus Oberuzwil (SG) war Klavier- und Rhythmiklehrerin am Konservatorium in Bern und wurde in den Sommerferien 1933 für die Saison im Parkhotel Waldhaus als Gymnastiklehrerin engagiert.

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Zur Geschichte der Hebammen und der Geburtshilfe in Graubünden im 19. und 20. Jahrhundert. (Loretta Seglias)

In Graubünden war Hebamme der erste Frauenberuf, der vom Kanton reglementiert wurde. Die weit reichenden medizinischen Errungenschaften der letzten 200 Jahre wirkten sich auch auf die Ausbildung und die praktische Ausübung des Hebammenberufes aus. Am augenscheinlichsten tritt dabei die Erstarkung der medizinisch ausgebildeten Ärzte hervor. Die Aufgaben der Hebammen jedoch weiteten sich nicht aus, sondern beschränkten sich auf die Betreuung normal verlaufender Geburten.

Die Porträts im Beitrag von Loretta Seglias:

  • Anna von Planta (1858-1934)
  • Marlies Vincenz, Hebamme Vella
  • Yvonne Weidkuhn, Hebamme Versam
  • Annetta Claglüna-Baumann, Hebamme, Kreiskrankenhaus Unterengadin, Scuol
  • Gerda Umenhofer, Geburtshaus Engadin, Samedan
  • Riccarda Riedi, Geburtshaus Engadin, Samedan

Die "schwarze Lawine" und der Bauch der Frau: Frauenrollen in der katholischen Surselva 1870-1970 und ihr ideologischer Hintergrund (Ivo Berther)

Frau sein im katholisch-konservativen Milieu des Bündner Oberlandes, der Surselva, das hiess, einem für die Ewigkeit bestimmen Abc unterworfen zu sein: "Affons, baselgia, cuschina" – "Kinder, Kirche, Küche". Der historische Forschungsbeitrag geht diesen Themenkreis von zwei Seiten an. Einerseits werden die für Frauen geltenden Ideale und Normen dieser nach aussen weitgehend abgeschlossenen Gesellschaft vorgestellt. Andererseits beleuchten Quellen aus Frauenhand die Wirkung dieser Vorgaben und ihre langsame Erosion.

Erstmals werden auch die Pionierinnen der Frauenbewegung in der Surselva benannt, darunter die Redaktorin des "Pelegrin": Imelda Coray-Monn (*1933). Der Beitrag enthält viele Quellenzitate und zeigt mit aussergewöhnlichen Bildern den Alltag von Frauen eindrücklich auf.

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Die inszenierte Frau in den Bergen. Das Bild der Frau in Fotografie und Tourismusplakat in Graubünden in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. (Gerda Leipold-Schneider)

Gegenstand der Untersuchung sind Bilder und Fotografien von Frauen in der Privatfotografie und im touristischen Werbeplakat in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Während traditionelle Geschichtsforschung in erster Linie schriftliche Quellen bearbeitet und Bilder allenfalls zur Illustration verwendet, geht dieser Beitrag vom Bild aus. Bilder von Frauen werden als Quellen zur Alltags und Mentalitätsgeschichte Graubündens ausgewertet. Gefragt wird nach der Wechselbeziehung der Inszenierung der Frau in Werbung und Fotografie zu gesellschaftlichen Entwicklungen und zu Veränderungen des weiblichen Alltags und Rollenverständnisses.
Abgebildet sind zahlreiche Fotografien und Plakate aus Bündner Sammlungen.

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Heilbäder – Orte zur Wiederherstellung der Geschlechterordnung (Silvia Hofmann)

Die Zeit um 1900 war die Hochblüte der Badekur. Die Passugger Heilquellen AG betrieb in Passugg ihr Kurhotel mit grossem Erfolg. Dazu trug der so genannte Hygienediskurs bei, der im 19. Jahrhundert begonnen hatte und in dem Mediziner über eine den modernen Zeiten angepasste Lebensweise debattierten. Der Beitrag zeigt auf, wie der Passugger Kurarzt Dr. Jakob Scarpatetti den Hygienediskurs aufnahm und wie Frauen und Männer als Gäste und das Passugger Kurhotel in unterschiedlicher Weise davon profitierten.

Der Beitrag gibt zahlreiche Hinweise und Belege für die Präsenz von Frauen nicht nur als Kurgäste, sondern auch als Arbeitskräfte oder als Unternehmerinnen im Umfeld von in Bündner Kurbetrieben.

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Eingriffe ins Gehirn "schwieriger" Patientinnen und Patienten. Psychochirurgie im Kanton Graubünden (Marietta Meier)

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs führte man in der Schweizer Psychiatrie die Leukotomie, einen Eingriff am Gehirn, ein. Die radikale Massnahme wurde auch in den psychiatrischen Anstalten des Kantons Graubünden angewandt. Der Beitrag stellt die Geschichte der Psychochirurgie im Kanton Graubünden dar und geht der Frage nach, warum man diesen Eingriff vor allem bei Frauen vornahm.

Die Autorin weist auf geschlechtsspezifische Wahrnehmungs- und Handlungsmuster in der Psychiatrie hin und stellt die These auf, dass Frauen mehr leukotomiert wurden, weil man sie für "schwierigere" Patienten hielt als Männer. Patientinnen wurden aufgrund der vorherrschenden geschlechtsspezifischen Rollenerwartungen in der psychiatrischen Anstalt anders wahrgenommen als Patienten.

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Wissenschaftliche Begleitung

Prof. Dr. Regina Wecker, Universität Basel, Professorin für Frauen- und Geschlechtergeschichte an der Universität Basel.

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