Band 3: frauenArbeit


 

   


 

 

 

 

 

 

frauenArbeit: Eine Geschichte zwischen Bauernstand und Tourismus

 

"frauenArbeit" ist 2006 erschienen. 

Hier finden Sie die Beiträge von Band 3: "FrauenArbeit"

Die AutorInnen und ihre Artikel im Überblick

  • Silvia Conzett: "Sie hatten eigentlich immer etwas zu tun." Arbeits- und Lebenswelt der Frauen in Hinterrhein
  • Paola Giovanoli Calcagno: "Fu il 38mo anno che restai qui con 5 vacche." Aufzeichnungen der Bergeller Bergbäuerin Fiorentina Coretti-Pool von 1898-1948.
  • Ursula Graf: Handelsfrauen, Ladentöchter und Dienstmädchen. Arbeitswelt und Lebenssituation der Frauen in Chur 1870-1945
     
  • Ursula Graf: Von Mädchenarbeitsschulen zur Lehrtöchterausbildung. Die Berufsbildung in Hauswirtschaft und Gewerbe und die Geschichte der Berufsberatung für Frauen in Graubünden
     
  • Peter Metz: "Wiar hen a Frau als Lehrer!" Zugänge von Frauen zu Schule, Ausbildung und Lehrberuf
     
  • Lena Kühne: Ruth Licht: "Ich habe mir zu meinem achtzigsten Geburtstag eine Ausstellung geschenkt." Ein Leben als Fotografin in Arosa
     
  • Ursula Jecklin: "In der Nacht sind einem die Mäuse über die nackten Füsse gesprungen." Telefon und Telegraf in Graubünden

Die Kurztexte zu den einzelnen Artikeln:

Silvia Conzett: Arbeits- und Lebenswelt der Frauen in Hinterrhein

Im Dorf Hinterrhein am Fuss des San Bernardino Passes lebt die Bevölkerung seit über hundert Jahren fast ausschliesslich von der Landwirtschaft. Bis in die zweite Hälfte des 20.Jh. war das Leben der Bäuerinnen geprägt durch festgelegte Aufgabenbereiche in Haus und Hof in einem System mit bestimmten Normen und Regeln innerhalb von Familie, Nachbarschaft und Dorf. Seit den 1950er Jahren haben verschiedene wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen wie der Strukturwandel in der Landwirtschaft mit der Mechanisierung, die Abwanderung, der Bau der Nationalstrasse, neue Medien und weitere Einflüsse das Alltagsleben in Hinterrhein verändert. Die Folgen waren die Rationalisierung der Arbeiten in Betrieb und Haushalt, eine Abnahme der Selbstversorgung, weniger Gemeinschaftsarbeiten und Geselligkeit, neue Wohnverhältnisse, veränderte Ansprüche an Freizeit und Konsum usw.

In diesem Beitrag werden der frühere Alltag und das soziale Umfeld der Bäuerinnen wie auch der Wandel ihrer Arbeits- und Lebenswelt in der neueren Zeit dargestellt. Als Quellen dienen neben der Literatur auch Aussagen der betroffenen Frauen. Es zeigt sich, dass sie z.B. die Arbeitserleichterungen durch moderne Maschinen schätzen, jedoch auch eine zunehmende Abhängigkeit, Hektik und Isolierung wahrnehmen. Der Beruf, die Stellung und die Werthaltungen einer Bäuerin sind heute nicht mehr klar definiert, was die älteren Frauen verunsichert, während die jüngeren ihr Leben vermehrt nach ihren Bedürfnissen individuell gestalten. So existieren neben einer Mehrzahl von Betrieben mit traditioneller Rollenteilung auch einzelne, in denen die Bäuerin einem Nebenerwerb nachgeht. Alle Frauen verbindet, dass sie sich daran gewöhnt haben, sich den wechselnden Lebensverhältnissen immer wieder neu anpassen zu müssen.

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Paola Giovanoli Calcagno: "Nel mese di maggio ho comperato un vitello"

Herzstück der Forschung ist eine in ihrer Art raren Quelle: Das tagebuchartig mehrere Jahrzehnte umfassende, als "Memoriale" bezeichnete dünne Schulheft der Bündner Bergbäuerin Fiorentina Coretti-Pool (1877-1955). Knapp 40 Jahre ihres Lebens als Sennerin auf einer Engadiner Alp hat die Bergellerin auf fast 80 Seiten festgehalten, von 1898 bis 1935 - mittendrin der erste Weltkrieg. Jedem Jahr werden eine bis höchstens vier Seiten gewidmet; kurz, trocken, bruchstückhaft notiert sie als Sennerin, Händlerin, Mutter und Ehefrau die Ereignisse auf der Familienalp oberhalb des Silsersees. Aussagekräftig ist sowohl, was sie beschreibt, als auch, was sie offensichtlich für nicht erwähnenswert hält!

Diese Alltagsbeschreibung aus Sicht einer Frau wird im entstehenden Artikel mit Hilfe von Grundlagentexten zur Geschichte des Bergells, zum Bündner Alpwesen, zur Schweizer Landwirtschaftsgeschichte sowie zur Frauengeschichte und Genderforschung in seinen sozialen, wirtschaftlichen, rechtlichen und politischen Kontext eingebettet werden und dabei Antworten geben auf folgende Fragen:

  • wie sah der Alltag auf einer Frauenalp im Oberengadin aus der Sicht einer Bergeller Sennerin aus?
  • unterscheidet sich die Innensicht von öffentlichen Diskursen und Idealbildern über "die Bergbäuerin", aber auch "die Bündner Frau und "Mutter" dieser Zeit?
  • wie, wo und warum zeichnen sich Veränderungen im Vergleich mit späteren Generationen von Sennerinnen ab?

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Ursula Graf: Handelsfrauen, Ladentöchter und Dienstmädchen – die "gewerbetreibende Frauenwelt" in Chur (ab 1870)

Die überwiegenden Erwerbsmöglichkeiten der Frauen in Chur beschränken sich auch nach einsetzender Modernisierung von Wirtschaft und Gesellschaft gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf nur wenige Gewerbezweige: Frauen sind als Näherinnen, Schneiderinnen, Dienstbotinnen, Wäscherinnen, Glätterinnen, Ladentöchter, Markt- und Handelsfrauen tätig, meist in der Textil- oder Lebensmittelbranche. Anhand statistischer Erhebungen wird die Entwicklung der gewerblichen Frauenarbeit in Chur ab 1870 nachvollzogen und die Präsenz der Frauen an den örtlichen Gewerbeausstellungen untersucht. Die Geschäftstätigkeit von Churer Bürgerstöchtern wird am Beispiel der Modistin Marie Allemann vorgestellt. Sie führte zusammen mit anderen weiblichen Familienmitgliedern über 25 Jahre einen Hutladen in Chur, dessen wechselvolles Schicksal in der familiären Korrespondenz dokumentiert ist. Im Zusammenhang mit der beruflichen Frauenbildung gerät das Engagement des Gemeinnützigen Frauenvereins in Chur ins Blickfeld. Mit der Einrichtung eines Wohnheims für stellenlose Dienstboten und sittlich gefährdete Mädchen, eines Stellenvermittlungsbüros und einer Dienstbotenschule sowie zahlreichen Initiativen hat der Churer Frauenverein die Berufsbildung der Mädchen vorangetrieben. Die Gründung der Frauenarbeitsschule, der Bündnerischen Koch- und Haushaltungsschule und der allmähliche Einzug der Töchter in die Gewerbliche Fortbildungsschule in Chur dokumentieren die verbesserten beruflichen Ausbildungsangebote für Frauen. Mit der Eröffnung einer Berufsberatungsstelle für Mädchen und der 1945 eingerichteten kantonalen Zentralstelle mit einer vollamtlichen Berufsberaterin wird eine neue Qualität auf dem Weg zur weiblichen Professionalisierung erreicht.

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Peter Metz: Unter dem Titel "Zugänge im Bildungswesen ­ Zugänge zum Lehrberuf" untersucht der Autor, wie sich die Volksschule, das höhere Bildungswesen und der Lehrberuf bezüglich der Genderthematik im Kanton Graubünden entwickelt haben.

Im Einzelnen interessieren die Volksschule im Wandel ihrer Strukturen, erklärten Lehrinhalte und Lehrfächer und deren informelle Ordnung. Dabei ist es aufschlussreich, pädagogische Stellungnahmen für und gegen die Gleichbehandlung der Geschlechter in Erziehung und Unterricht zu verfolgen. Es zeigt sich, dass das Bildungswesen im Zuge seines Aufbaus im 19. Jahrhundert eine Zunahme der geschlechtstypischen Ausprägung erfahren hat, die erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zurückgenommen worden ist. Anders verhält es sich mit dem Personal: Waren es zu Beginn des 19. Jahrhunderts fast ausschliesslich Männer, die als Schulmeister tätig waren, so wechselte der Lehrstand im 20. Jahrhundert zu einem Beruf, in welchem auf den meisten Bildungsstufen die Frauen eine bleibende Mehrheit erlangten. Bei genauerem Hinsehen zeigen sich faszinierende Besonderheiten, die von diesem allgemeinen Muster abweichen: die Unterrichtstätigkeit der Lehrschwestern, die frühe Wirksamkeit von Lehrerinnen in der Moësa, die Ausbildung der Töchter und Lehrerinnen aus einer entsprechenden Bildungsschicht. Interviews von Frauen belegen die Schwierigkeiten im Berufszugang, aber auch den Gewinn an Erneuerung im Bildungswesens.

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Lena Kühne: Ruth Licht (*1923) arbeitete mehr als 60 Jahre als Fotografin. Doch die verdiente Anerkennung erhielt sie erst mit der 2003 in Arosa gezeigten Ausstellung "Begegnung mit Licht. 60 Jahre Blick durch's Objektiv". Ein Porträt.

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Ursula Jecklin: Die Berufsmöglichkeiten für Frauen waren in Graubünden lange Zeit beschränkt. Die mit der Einführung der neuen Kommunikationsmittel Telegraf und Telefon entstandenen Stellen brachten gerade auch Frauen neue Arbeitsmöglichkeiten und waren deshalb begehrt. Der reguläre Telegrafendienst blieb allerdings weitgehend den Männern vorbehalten; im Telefondienst dagegen wurden von Anfang an praktisch nur Frauen beschäftigt.

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Wissenschaftliche Begleitung

Prof. Dr. Regina Wecker, Universität Basel, Professorin für Frauen- und Geschlechtergeschichte an der Universität Basel.

Buch bestellen: www.nzz-buchverlag.ch

 

 

 


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