Band 4: fremdeFrau


 

   

 


 

 

 

 

 

 

fremdeFrau über das Fremdsein und die Migration. Unkonventionelle, unangepasste und ausgegrenzte Frauen erhalten hier eine Stimme

 

Band 4 "fremdeFrau" ist im Dezember 2008 erschienen. 

Die AutorInnen und ihre Beiträge im Überblick

  • Christina Caprez: Frauenfreundschaften und lesbische Beziehungen: zur Geschichte frauenliebender Frauen in Graubünden (gemeinsam mit Eveline Nay)
     
  • Eveline Nay
     
  • Marta Ostertag: "Sobald man rumantsch geredet hat, war man wie zu Hause." Von fremden Frauen im Münstertal
     
  • Daniele Papacella: Dalla contemplazione all’azione. Im Monastero di Poschiavo e il suo ruolo nella società locale
     
  • Regula Pfeifer: "Schau, wenn du willst, heirate ich dich, aber du musst dich schnell entscheiden. In drei Monaten reise ich ab." Zur Geschichte der Bündner Zuckerbäckerfrauen
     
  • Ursula Jecklin: "Während der Dauer ihrer Schwangerschaft liess sie es sich nicht nehmen, an der Bsatzig in St. Peter mitzutanzen." Unterschiedliche Beurteilung von Müttern und Vätern ausserehelicher Kinder
     
  • Silvia Hofmann: Eine fremde Forscherin im Münstertal: Eugenie Goldstern (1884-1942), Pionierin der europäischen Ethnografie
     
  • Regina Wecker: Zum Abschluss eines grossen Projekts

Die Kurztexte zu den einzelnen Artikeln:

Caprez und Nay: Frauenfreundschaften und lesbische Beziehungen

Aus historischen Forschungen ist bekannt, dass es im 19. und angehenden 20. Jahrhundert enge Frauenfreundschaften gab, die aus heutiger Sicht als Lebenspartnerschaften verstanden werden können, ohne dass sich die betreffenden Frauen als Lesben verstanden. Diesen historischen Frauenbeziehungen – die prominenteste ist wohl die zwischen Meta von Salis und Hedwig Kym – gehen wir genauso nach wie lesbischen Beziehungen im 20. Jahrhundert bis heute. Dabei interessiert uns, wie die Frauen ihre Beziehung definieren, welches ihre Lebensbedingungen sind, wie sie ihre Umgebung erleben, welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten es zwischen den untersuchten Frauenbeziehungen gibt und was sich über die Zeit hinweg verändert.

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Marta Ostertag: Vom Leben an der Grenze: Müstair

Graubünden ist bestimmt wegen seiner Grösse (Fläche) und seiner Dreisprachigkeit ein Sonderfall, aber auch seine lange Grenzlinie macht ihn speziell und hat wohl die Menschen dieser Region geprägt. Grenzen sind nicht nur für den Verkehr von Gütern, Waren und Menschen bedeutsam. Grenzen sind auch Orte, wo die unterschiedlichsten politischen, kulturellen und sozialen Identitäten aufeinander prallen, nebeneinander leben und sich durchmischen. Diese Konfrontation zwischen Wir und den Anderen ermöglicht es erst, das so genannte Fremde mit Bildern zu füllen und es vom Eigenen abzugrenzen. Die Arbeit zielt darauf hin, das verschiedenartige Erleben des Fremdseins im Alltag von Frauen, die vom benachbarten Italien oder Österreich an den Grenzort Müstair immigriert sind, mit ihren eigenen Worten zum Ausdruck zu bringen. Dabei geht es weniger um die Frage, wie ist die Fremde, als darum, wie das Fremdsein von der Fremden erlebt und wahrgenommen wird und wie sich diese Wahrnehmung durch die Migration verändert: vom Stereotyp des Fremden, zum Erleben der Fremdheit, zur Integration in der Fremde. Den Ausländerinnen, die in Graubünden leben und damit Bündnerinnen geworden sind, soll eine Stimme gegeben werden, welche vielleicht andere Frauen, die, aus welchen Gründen auch immer Ausgeschlossenheit erleben, ermutigen und den "Einheimischen" erzählen kann, wo Fremdsein schwierig ist.

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Daniele Papacella: "Dalla contemplazione all’azione". Le sorelle del convento di Santa Maria Presentata a Poschiavo (1850-1960)

 

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Regula Pfeifer: Die Zuckerbäcker-Frauen

Die Erfolgsgeschichte der ausgewanderten Zuckerbäcker nimmt einen ganz besonderen Stellenwert in der Bündner Geschichte ein. Nicht zu unrecht, denn viele der in alle Städte Europas ausgewanderten Konditoren und Kaffeehausbesitzer brachten es zu einigem Ruhm und Geld – und ermöglichten dadurch in ihrer Heimat den Beginn des touristischen Aufschwungs. Wir wissen bereits einiges über jene Männer, die Verträge abschlossen, mit Verwandten Anteilscheine an Geschäften zeichneten, von Italien bis nach Russland oder Norwegen reisten und vieles mehr - doch wo waren die Frauen? Dieser Frage geht der Regula Pfeifers Beitrag über die Zuckerbäcker-Frauen nach. Sie zieht Briefe und Verträge, bereits bekannte "Legenden" und mündliche Aussagen zu Rat und versucht dabei so nahe wie möglich an die Lebensrealität der Frauen in den Zuckerbäcker-Familien heranzukommen, damals, im 19. Jahrhundert.

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Ursula Jecklin: Ledige Mütter, aussereheliche Väter

"Es ist nichts [...] ehrwürdiger, als eine Mutter unter vielen Kindern", stellte Goethe fest, und in der Bibel steht geschrieben: "Sie [die Frau, UJ] wird selig werden dadurch, dass sie Kinder gebiert." Sowohl in der bürgerlichen Gesellschaft als auch in der Kirche galt also die Mutterschaft lange Zeit als Hauptaufgabe und höchste Ehre für die Frauen; allerdings nur, wenn sie in der Ehe gelebt wurde. Für ledige Mütter und ihre Kinder sah die Sache ganz anders aus. Weit mehr als die Zeugung eines unehelichen Kindes galt nämlich eine aussereheliche Schwangerschaft bis über die Mitte des 20. Jahrhunderts hinaus als Fehltritt und Schande; sie entsprach nicht den bürgerlichen Moralvorstellungen. Sie beeinflusste das Schicksal von Mutter und Kind ein Leben lang, grenzte sie aus und stempelte sie häufig zu Fremden in der eigenen Gesellschaft. Im Folgenden soll der unterschiedlichen Beurteilung von Mütter und Vätern ausserehelicher Kinder in Graubünden im 19. und 20. Jahrhundert nachgegangen werden. Dabei wird untersucht, wie sehr die unterschiedliche Wahrnehmung das Leben und den Alltag lediger Mütter und ihrer Kinder beeinflusste und wieweit sie sich in der Bündner Rechtsprechung spiegelte.

Silvia Hofmann: Eugenie Goldstern

Was wir heute über die Münstertaler Volkskultur des 19. und des frühen 20. Jahrhunderts wissen, verdanken wir der ursprünglichen aus Odessa stammenden Wiener Ethnografin Eugenie Goldstern. Sie bereiste 1919 und 1920 das Val Müstair und den oberen Vinschgau und erforschte die charakteristischen Haustypen, die genossenschaftlichen Arbeitsformen, die Bräuche, Gerätschaften und kunsthandwerklichen Erzeugnisse. Eugenie Goldstern wurde 1942 von den Nazis im polnischen Izbica ermordet.

Regina Wecker

..."Dass das nun aber in einem verbändigen Werk erfolgt, das ist vielleicht eher die Ausnahme, aber auf jeden Fall eine grossartige Leistung, die von den Herausgeberinnen, den Autorinnen und Autoren vollbracht wurde und bei der sie auf tatkräftige Unterstützung verschiedener kantonaler Stellen, Stiftungen und Privatpersonen zählen konnten."

Wissenschaftliche Begleitung

Prof. Dr. Regina Wecker, Universität Basel, Professorin für Frauen- und Geschlechtergeschichte an der Universität Basel.

Buch bestellen: www.nzz-buchverlag.ch

 

     


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